Gelungene Integration - Anforderung an uns alle!

Veröffentlicht am 05.10.2010 in Allgemein

Mit dem „Tag der Flüchtlinge“ (1. Okt.2010) und im Rahmen der Interkulturellen Woche hatte das "Forum Integration Radolfzell" in Zusammenarbeit mit dem "Freundeskreis Asyl" (25 jähr. Jubiliäum) ins Kinderkulturzentrum Lollipop eingeladen.

Themenschwerpunkt: Sri Lanka.

Mit von der Partie waren tamilische Kinder und ihre Familien und viele Gäste vor allem aus Singen und Konstanz, für die die Frage der Integration keine Frage, sondern eine Selbstverständlichkeit ist.

Trotz aller Aufklärung, trotz grossem Erfahrungspotential in der Einwan- dererarbeit nach Jahren ist die Situation der Asylsuchenden noch immer nicht akzeptabel. Viele rechtliche Grundlagen sind einfach nicht gegeben oder unausgewogen, so jedenfalls nicht annehmbar!

Immernoch ist diesen Menschen, fern von ihrer Heimat und auf der Suche nach neuer Bleibe, für mindestens ein Jahr die Arbeitsaufnahme verboten. Sie dürfen ihren Wohnort nicht verlassen, befinden sich auf diese Weise in „reserveähnlichem“ Raum. Es mangelt an Geld, an der Möglichkeit, Sprachkurse zu besuchen. Im eigentlichen Sinn sind sie noch immer ausgeschlossen, entmündigt, gede- mütigt, rundum ausgegrenzt, ... da ihnen die Gelegenheit verwehrt ist, am ganz normalen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

Diese Abschreckungs- und Ausgrenzungspolitik, die Produkt einer flüchtlings- feindlichen Politik seit den 1980er Jahren ist, muss nun endlich beendet werden.

Manuela Rasmussen (Projektarbeit "Einheit, Vielfalt, Integration" Bereich Integration und Migration für den Landkreis Konstanz, mit Schwerpunkt in Singen), eröffnete die Veranstaltung, hieß die vielen und zum grossen Teil farbenfroh gekleideten Gäste aus Nah und Fern herzlich willkommen:

„Das ist unser Ziel: das Leben in unserer Zivilgesellschaft miteinander zu gestalten und aufgeschlossen für Neues zu sein“, und:
„Mit Diskriminierung macht man keinen Staat!“ so Manuela Rasmussen in ihrer Begrüssungsrede an die Gäste gemäß dem bundesweiten Anliegen der Interkulturellen Woche, „um Zusammenhalt zu kämpfen, damit wir alle Zukunft gewinnen“

Mit viel Beifall bedacht wurden im Anschluss die ersten Tamilen - Amutha und Paskaran Paskaradas - , die 1985 als politische Flüchtlinge aus Sri Lanka nach Radolfzell gekommen waren, ... und Mitglieder des Freundeskreises für Asyl Radolfzell, die damals schon und bis heute die Arbeit für Anerkennung und Integration eingewanderter Menschen in Radolfzell tat- kräftig unterstützen, für den Schutz ihrer Rechte, ihrer menschlichen Würde ganz praktisch im Einsatz sind.

Sarah Bregy, Filmstudentin der Uni Zürich, stellte ihre „Filmhausaufgabe im Fach Sozialpädagagik“ unter dem Thema „Arrangierte Liebe“ vor. „Liebe wird in Sri Lanka als Wohlstandsphänomen verstanden.
Es dient dagegen dem Schutz der Heiratenden, wenn Eltern den passenden Lebenspartner per Horoskop aussuchen, die Wahl des Partners bestim- men, gezielt arrangieren, sich hier am Ruf, an der Höhe der Mitgift, der Kaste des möglichen Partners orientieren.“

Frau Pia Hollenbach (Doktorandin an der Uni Zürich, Thema „Tsunami“) lud ein zu einem Vortrag über die politische Entwicklung und das JETZT in Sri Lanka. Selbst als Bürgerin und Studierende im Lande unterwegs, weiß sie aus haut- naher Erfahrung über die Gewaltjahre, das diktatorische System Sri Lankas zu berichten, dessen blutigen Kämpfen noch in 2009 bis zu 40.000 Menschen (!) zum Opfer gefallen sind.

„Warum das Paradies verlassen?“ fragt sie provokant. " Aber: Die Gesetze des Prevention of Terrorism Act gelten noch immer, beherrschen einen Staat, der dieses Jahr zum ersten Mal wieder über ein Parlament verfügt, sich von altem Drangsalieren gegenüber Journalisten und freidenk- enden Tamilien aber nicht trennen kann.

Geheimgefängnisse, das Verschwinden von Menschen sind noch immer an der Tagesordnung. Und Erpressungsversuchen durch die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) sind unsere tamilischen Bürger selbst hier in unse- rem Lande noch ausgesetzt. Es ist unklar, wieviel Gelder so noch immer auch von hier aus und gezwungenermassen nach Sri Lanka überwiesen werden.“, so Pia Hollenbach.

Nachdenkliche Diskussion im Anschluss und die Erkenntnis, dass ein Leben in Freiheit und selbstbestimm-
ter Unabhängigkeit höchstes Gut bei uns ist. Der ''Blick über den Tellerrand" hat die Zuhörer sensibilisiert, betroffen gemacht.

„Die Informationsflut, das Tempo unserer Medienlandschaft, hat uns vergessen gemacht, übersehen lassen, was in anderen Ländern gang und gäbe ist. Diese Erkenntnis ist mir mehr als peinlich, trifft mich zutiefst“, so eine Besucherin.

Ansonsten: Tamilische Gastfreundschaft, ausbordend fröhlich. Reichhaltig gedeckter Tisch und bedienende Menschen mit guter Laune, Entspanntheit, lächelndem Gleichmut. Bunte Kleider. Frohe Tänze der Jugendlichen und Kinder. Anregendes Gespräch. Und die Erkenntnis:

Uns fremd erscheinende Menschen strecken ihre Hände aus.
NUN IST ES AN UNS, SIE ANZUNEHMEN, um Herzen und Leben zu teilen (BRU).

 

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