Stolpersteine

Stolpersteinverlegung 11.Sept. 2015

Julius Fuchs (1888-1958)

Julius Fuchs wurde am 6. März 1888 geboren

Er war Radolfzeller Sozialdemokrat und Mitglied des Bürgerausschusses.

Zur Zeit der nationalsozialistischen Verfolgungsmaßnahmen gegen ihn lebte er in der Zangererstr. 10.

Der ausgebildete Schlosser arbeitete als Werkmeister bei Allweiler. Julius Fuchs war mit Gertrud Otten verheiratet und Vater zweier Kinder.

Seit 1919 war Julius Fuchs Mitglied der SPD und langjähriger Schriftführer des SPD-Ortsvereins Radolfzell.

Von 1923 bis 1933 vertrat er die SPD im Radolfzeller Bürgerausschuss. Julius Fuchs wurde im Rahmen der sogenannten Aktion „Gitter“ am 22. August 1944 durch die Geheime Staatspolizei verhaftet, in das Landgerichtsgefängnis Konstanz eingeliefert und von dort am 23. August 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler verschleppt.

Die Aktion „Gitter“ (auch Aktion „Gewitter“ oder „Himmleraktion“ genannt) war eine umfassende Verhaftungsaktion der Gestapo nach dem gescheiterten Attentat des 20. Juli 1944 auf Adolf Hitler. Sie richtete sich gegen ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der bürgerlichen Parteien der Weimarer Republik.

Am 6. September 1944 wurde er in das Konzentrationslager Dachau überstellt und dort am 24. September 1944 entlassen.

Zwei Jahre nach dem Krieg beschreibt Julius Fuchs seine Verhaftung rückblickend wie folgt:

„Am 22. August 1944 wurde ich morgens 5.45 Uhr im Bahnhof Radolfzell durch den Gestapo Lehmann von Konstanz verhaftet und ohne jede Erklärung durch einen Radolfzeller Polizeibeamten nach Konstanz in das dortige Landgerichtsgefängnis eingeliefert. Am 23. August wurde ich mit noch mehreren Gesinnungsgenossen nach dem KZ Natzweiler im Elsass verbracht. Anfang September 1944 wurde das Lager geräumt und wir kamen alle nach Dachau in das dortige KZ. Hier wurden wir auf das energische Drängen von Angehörigen zweier Radolfzeller Häftlinge am 24. September 1944 entlassen.”

Der SPD-Ortsverein bescheinigte Julius Fuchs am 7.11.1950, dass er in Radolfzell als „Gegner des Hitlersystems“ bekannt gewesen sei. Die „Badische Landesstelle für die Betreuung der Opfer des NS“ hatte ihn bereits 1946 als „aufrechten Antifaschisten“ gewürdigt.

Für die erlittene KZ-Haft erwirkte Julius Fuchs 1950 vom Landesamt für Wiedergutmachung schließlich eine Entschädigungszahlung von DM 160,–, nachdem er nachweisen konnte, dass seine „politische Haltung“ Grund für seine Verfolgung war. Lebende Angehörige sind bislang nicht zu ermitteln.

Julius Fuchs starb am 12. Juni 1958

(Quelle Markus Wolter)

 

Hermann Klein (1886-1964)

Hermann Klein wurde im schweizerischen Neuhausen am Rheinfall geboren.

Er arbeitete als Werkzeugschmied bei Allweiler.

Hermann Klein war mit Emma Luise Schaller verheiratet und Vater zweier Söhne, die beide 1943 als Angehörige der Wehrmacht in Russland umkamen.

Hermann Klein war seit 1920 SPD Mitglied und gehörte 1930 zum letzten frei gewählten Radolfzeller Gemeinderat vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933.

Nachdem zum 1. Mai 1933 im Rahmen der (Selbst-) „Gleichschaltung“ und Parteiverbote der Radolfzeller Gemeinderat von sieben auf drei Parteien (NSDAP, Zentrum, SPD) reduziert worden war, verblieben von den 1930 frei gewählten Ratsherren nur noch Hermann Klein für die SPD und drei Angehörige des Zentrums in dem ansonsten von NSDAP-Angehörigen dominierten Gremium, das ab 1. September 1933 ganz von Nationalsozialisten besetzt war.

Ebenso wie die ehemaligen Bürgerausschuss-Mitglieder Julius Fuchs (SPD), Gustav Troll (SPD), Johann Kaiser (SPD) und Karl Teufel (KPD) wurde auch Hermann Klein im Rahmen der Aktion „Gitter“ am 22. August 1944 durch die Geheime Staatspolizei in Radolfzell verhaftet, in das Landgerichtsgefängnis Konstanz eingeliefert und von dort am

23. August 1944 in das Konzentrationslager Natzweiler verschleppt; Häftlings-Kategorie: „Schutzhaft“, politisch. Die reichsweit geplante und durchgeführte Verhaftungsaktion richtete sich vor allem gegen Gewerkschaftler und ehemalige Funktionäre und Mandatsträger der SPD und KPD.

Am 6. September 1944 überstellte man Klein in das Konzentrationslager Dachau. Klein wurde schließlich am 25. September 1944 aus dem Dachauer Außenlager Allach entlassen.

Hermann Klein starb 1964 im Alter von 78 Jahren in der Psychiatrischen Anstalt Reichenau; seine Frau fünf Jahre später, ebenfalls in Reichenau.

(Quelle Markus Wolter)

 

Gustav Troll  (1895-1979)

Gustav Troll, geboren 1895, gehört zu der Generation junger Männer, die im 1. Weltkrieg zu Tausenden ihr Leben verloren auf den Schlachtfeldern Europas. Diejenigen, die diesen Krieg - „die Urkastrophe des 20.Jahrhunderts“ – überlebten, kamen zurück in  ein  Deutschland, das vor einem Neubeginn stand. Ein Deutschland, das sich politisch neu zentrieren musste,  das geprägt war von sozialer Not und wirtschaftlich vor dem Zusammenbruch stand. Nicht wenige Deutsche fielen auf die deutschnationalen später nationalsozialistischen Parolen hinein und sahen ihr Heil in reaktionären, rückwärtsgewandten und menschenverachtenden Ideen.

Nicht so Gustav Troll!

Es mag an seinem sozialdemokratischen Elternhaus gelegen haben, dass er als 25jähriger 1920 Mitglied der sozialdemokratischen Partei wurde.  Einer Partei, deren Ziele  Frieden und demokratische Freiheitsrechte  waren. Einer Partei, die an zwei gesellschaftlichen Fronten die Weimarer Republik verteidigte: gegen den nationalen Wahn von rechts und gegen die Verächtlichkeit gegenüber demokratischen Ideen von links.

Aber auch die SPD konnte die NS-Diktatur, die sich ab 1933 in Deutschland etablierte, nicht verhindern. Nachdem die Partei und ihre Organisation verboten und aufgelöst war und viele Sozialdemokraten in Konzentrationslagern landeten, begann eine Zeit, in der Sozialdemokraten  - Männer und Frauen – aktiv Widerstand organisierten aber in noch viel größerer Zahl passiven Widerstand leisteten.  Passiver Widerstand hatte ganz unterschiedliche Ausprägungen: gegenseitige Hilfe in Notsituationen, das Mitteilen von Informationen, die das NS-Regime unterdrückte, geheime, private Zusammenkünfte, Verfolgten weiterzuhelfen und vieles mehr.

In den Jahren 1933-1945 waren Sozialdemokraten ständig in der Gefahr,  von der Gestapo oder der SS abgeholt zu werden, weil man wusste, dass die nationalsozialistische Umerziehung bei vielen die sozialdemokratischen Grundwerte nicht auslöschen konnte.

Einer dieser Sozialdemokraten war auch Gustav Troll. Bald nach der Machtübergabe  nahm man ihn als aktiven Gewerkschaftler und SPD-Mitglied in „Schutzhaft“. (Schutzhaft – eines jener verlogenen Worte, die das verbrecherische Tun der NS-Diktatur verschleiern sollte.)

Schutzhaft -  das hieß  für Gustav Troll wie für die anderen Inhaftierten zunächst und in aller Brutalität: „Entweder ihr passt euch der neuen Staatsmacht an oder rechnet jederzeit damit, dass euer Leben nichts wert ist, dass wir alles wissen, was ihr tut.“

Unter dieser Drohung musste Gustav Troll wie viele andere Menschen im faschistischen Deutschland leben. Vielleicht war es ein Glück für ihn, dass er in der Firma Allweiler, in einem Unternehmen tätig war, das vor und während des II. Weltkriegs auch kriegswichtige Produkte lieferte.

Dennoch: nach dem Attentat vom Juli 1944 wurde Gustav Troll wie viele andere aus der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung von der Gestapo im Rahmen der Aktion „Gitter“ verhaftet, er kam in das elsässische Konzentrationslager Struthof später in das KZ Dachau. 

Es waren nur wenige Wochen, die Gustav Troll als politischer Gefangener in den Konzentrationslagern war, aber die Botschaft für ihn und die anderen war eindeutig: „Auch wenn wir euch wieder frei lassen müssen, wehe ihr wagt es, in irgendeiner Weise gegen die nationalsozialistisch Ordnung zu vergehen!“ 

Was damit erreicht wurde, war sicher eine tief sitzende existenzielle Angst.

Gustav Troll gehörte zu denen, die dem NS-Regime widerstanden und von 1945 an  damit begannen, eine neue demokratische Ordnung im Nachkriegsdeutschland zu schaffen.

Er engagierte sich regional und aber insbesondere in  Radolfzell für ein demokratisches Gemeinwesen.

Er war von 1945 bis 1975 Mitglied des Gemeinderats, er war Bürgermeisterstellvertreter, Mitglied des Kreistags.

1974 wurde er Ehrenbürger der Stadt Radolfzell und seit einigen Jahren trägt einer der Radolfzeller Straßen in Erinnerung an einen beispielhaft wirkenden Sozialdemokraten seinen Namen.

(Norbert Lumbe)

 

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