Kulturfest mit den Radolfzeller Aleviten

Veröffentlicht am 11.10.2015 in Veranstaltungen

v.li. Peter Friedrich, Zeynel Arslan, Derya Yilderim

Das größte zu lesende Buch ist der Mensch

Es war ein trauriger Beginn des Kulturfestes, welches das Alevitische Kulturzentrum gemeinsam mit der SPD Radolfzell am vergangenen Samstag ausrichtete. In einer Schweigeminute gedachten alle Gäste gemeinsam der Opfer und der Angehörigen des Attentates, das am Vormittag ebenjenes Samstages auf eine Friedensdemonstration in Ankara verübt wurde. Einhellig wurde der Anschlag als perfider Angriff auf Demokratie und Freiheit verurteilt.

Die in den anschließenden Beiträgen verhandelten Themen berührten auch genau diese universellen Werte der menschlichen Existenz. So stellte Zeynel Arslan, der Dede der Aleviten, in einem philosophisch-theologischen Referat dar, dass keineswegs die in den Religionen herangezogenen Schriften, die Wahrheit verkündeten, da man dort für jegliches Handeln Belege finden könne, sondern dass das menschliche Handeln und die diesem zugrundeliegenden Absichten eher Auskunft über die göttliche Wahrheit erteilten. Gleichzeitig sei alles Trennende lediglich Nicht-Kenntnis des Anderen, denn in Wirklichkeit sei alles eins, wofür es im Übrigen frappierende Belege in der Natur und den Naturwissenschaften gebe.

SPD-Europaminister Peter Friedrich, der anschließend sprach, befasste sich naturgemäß mehr mit der alltäglichen politischen Praxis.

Der aktuellen Lage entsprechend war das beherrschende Thema die gegenwärtige Flüchtlingskrise. Friedrich rief dazu auf, die Situation als Chance zu begreifen und nicht als Bedrohung. Man müsse sich vergegenwärtigen, dass – bedingt durch eine kontinuierliche Geschichte von Flucht, Migration und Integration, in der Baden-Württemberg über die Jahrzehnte hinweg eine herausragende Rolle gespielt habe – bereits heute 27% der Baden-Württemberger einen sog. „Migrationshintergrund“ hätten. Nur so sei es dem Land gelungen, die heutige Spitzenposition im Hinblick auf Wirtschaft und Wohlstand zu erlangen. Wirtschaftlicher Erfolg sei ohne Migration nie möglich gewesen und werde es auch künftig nicht sein. Baden-Württemberg sei heute eine der innovativsten Regionen der Welt, Europas sowieso. Nur Vielfalt ermögliche Innovation, so Friedrich.

Gleichwohl müsse man versuchen, Fluchtursachen in den Regionen vor Ort zu bekämpfen, denn Deutschland und Baden-Württemberg könnten trotz alledem an einen Punkt der Überforderung gelangen. Der Minister beschrieb deshalb ein von ihm ins Leben gerufenes Projekt, bei dem Baden-Württemberg eine Patenschaft für eine syrische Nachbarregion im Irak übernommen habe und Hilfe in jeglicher Form leisten werde.

Nach etlichen Publikumsfragen endete das gut besuchte Fest in angenehmer Atmosphäre mit einem gemeinsamen Essen, das von den Alevitischen Köchinnen und Köchen vorbereitet worden war.

 

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